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Das Handy klingelt, obwohl ich schon von allein munter geworden bin und keinen Wecker brauche. Ich strecke mich noch mal im Bett und stehe auf. Das Aufstehen fällt leicht, wenn man sich auf den neuen Tag freut.
Es ist jetzt 9 Uhr. Meine Katzen umschnurren mich, also werde ich sie erst mal, sobald ich das Bad verlassen habe, versorgen. Dann öffne ich das Fenster, mache ein paar Atemübungen und das Sonnengebet (eine Yoga-Übung), das mich wie immer erfrischt, schnappe den Badeanzug und gehe erst einmal schwimmen. Vielleicht beginne ich den Tag auch im Fitness-Studio ... Egal, eines von beidem. Auf dem Weg zurück gehe ich beim Bäcker vorbei, und dann wird zu Hause gefrühstückt: Frisch gepreßter Grapefruitsaft, zwei Brötchen, vielleicht mit Ingwerkonfitüre oder englischer Orangen-Marmelade, vielleicht aber auch mit herzhaftem Belag. Zum Schluß der starke, heiße Kaffee mit viel Milch.
Danach gehe ich ins Computerzimmer und schalte den PC an.Im Mai habe ich mein Fernstudium abgeschlossen. "Internet-Spezialist" nenne ich mich nun. Damit kann ich zwar auf dem Arbeitsmarkt nicht viel anfangen, aber darum geht es auch nicht. Ich habe das eher als Hobby begriffen und bin dabei ins Laufen gekommen. In den folgenden Monaten überschlugen sich die Ereignisse beinahe. Im Juni und Juli habe ich an den Wochenenden für eine russische Firma das Handbuch und die Online-Hilfetexte einer neuen Software ins Deutsche übersetzt. Das Programm, eine Software zum Blocken von Spam und - das war neu - zur Rückverfolgung der Spam-Mails, selbst wenn die Spammer anonym von geknackten Websites aus posteten, so daß man ihrer endlich habhaft werden konnte, wurde über Nacht berühmt. Neue Kunden klopften bei mir an. Ich mußte mich entscheiden, ob ich weiter bei meiner Firma arbeiten oder mich selbständig machen will, weil es anders nicht zu schaffen gewesen wäre. Die Wahl fiel mir nicht schwer.
Zur Zeit arbeite ich zur Abwechslung mal an einer Übersetzung aus dem Englischen: Im Herbst habe ich auf einem Recherche-Workshop eine berühmte amerikanische Information-Brokerin kennengelernt, die mir anbot, ihr neues Buch über Online-Recherchen zu übersetzen. Die deutsche Übersetzung wird im nächsten Jahr bei Galileo Computing erscheinen.
Ich liege gut im Zeitrahmen, lese eigentlich nur noch Kontrolle, so daß mir neben dieser umfangreichen Übersetzung noch Zeit bleibt für Russisch-Aufträge und mein Hobby-Projekt: die Übersetzung eines Romanes über den amerikanischen Hacker-Underground von den Anfängen, dem ersten Virus, bis in die nähere Vergangenheit. Die Autorin hat diesen Roman als kostenlose PDF online ins Netz gestellt und war begeistert von meinem Vorschlag, ihr Werk ins Deutsche zu übersetzen - ebenfalls online. Ich mache das in Form eines Blogs als Fortsetzungsroman, ältere Folgen werden zusammengefaßt und können als PDF abgerufen werden.
Meine geschäftliche Website hat seitdem großen Zulauf, und seit ich die Übersetzungsfolgen dort hochlade, hat sich auch der Umsatz meines kleinen Webshops verfünffacht - Tendenz steigend, so daß ich darüber nachdenke, den Webshop zu erweitern. Der Shop war aus einer Laune heraus entstanden - ich wollte nur mal wissen, wie die Software funktioniert. Hatte also im Frühling versuchsweise einen Flohmarkt für die vielen Bücher, die ich nicht mehr brauchte, auf die Website gestellt, für 1 Euro das Stück, ich hätte sie ja sonst auch bloß weggeworfen. Die Bücher gingen zu meinem Erstaunen ab wie früher ein Westpaket! Von da an nahm ich das ernst, bot im Versuch auch ganz billig Lernsoftware (eigene kleine Bildschirmaufzeichnungen als selbstablaufende Videos auf CD und Audio-CDs) sowie selbstgemachte Computer-Grafiken auf Folie oder Glas, die man z.B. beim CaseModding gebrauchen kann, zum Verkauf an und war überrascht - es läuft!
Der Renner ist zur Zeit der Sticker mit der niedlichen vollbusigen Barbie, die "Kevin is out, Linux is sexy" in die Tastatur tippt. (Sex sells?) Die Idee dazu kam mir, als ich mal beinahe auf eine Parodie im Netz hereingefallen wäre und mich deshalb am 06. Dezember 2003 hier im Blog um ein Haar unsterblich blamiert hätte. *l*
Warum sieht mir die kleine Barbie mit ihren dunklen kurzen Haaren eigentlich so ähnlich ... ich drehe mich wieder wohlig im Bett herum ...
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Das Handy klingelt. Es ist Donnerstag, der 1. Januar 2004. Benommen setze ich mich auf. Was habe ich in Neujahrsnacht für einen Unsinn zusammengeträumt ...
